Rezension: Seniorengenossenschaften. Organisierte Solidarität.

Beyer, Thoma; Görtier, Edmund & Rosenkranz, Doris (Hrsg.): "Seniorengenossenschaften. Organisierte Solidarität."Seniorengenossenschaften sind sozial aktiv. Es gibt sie in ganz unterschiedlichen Formen, angesiedelt zwischen professionellen Trägern und bürgerschaftlichem Engagement.

Inhalt und Aufbau

Das Buch stellt dies in zwei Teilen dar. Im ersten Teil geht es um Grundlagen und Rahmenbedingungen: Was können Seniorengenossenschaften für Senior*innen leisten? Und was Senior*innen, aber auch Engagierte aus anderen Generationen für die Seniorengenossenschaften? Der zweite Teil zeigt an Praxisbeispielen die Vielfalt von Seniorengenossenschaften auf. Dieser Praxis-Überblick regt an, Ideen aufzugreifen und weiterzuentwickeln.

Das Buch listet auf, wie breit die Aufgabenfelder von Seniorengenossenschaften von Haushaltshilfe, Begleit- und Fahrdienst, gemeinsame Veranstaltungen und Unterstützung bei Behördenangelegenheiten bis hin zum Bürgerbus sein können. Außerdem erläutern die Autor*innen verschiedene mögliche Rechtsformen von Seniorengenossenschaften. In Seniorengenossenschaften haben Bürger*innen die Möglichkeit, in ihrem Quartier sich sozial zu engagieren und soziale Unterstützung zu erfahren. So gelten Seniorengenossenschaften als „eigenständige und verantwortungsbewusste Form der generationenübergreifenden Altersvorsorge (…), die ihren Mitgliedern einen hohes Maß an Unterstüzung und Zusammenhalt bei hoher gesellschaftlicher Anerkennung bietet“ (S. 40). Gerade bei starker Partizipation können Seniorengenossenschaften dazu beitragen, Antworten auf den demografischen Wandel zu finden und auf die Bedürfnisse von Senior*innen im Quartier reagieren. Es sind „neue und differenzierte Formen der Teilhabe, aber auch Unterstüzungs- und Assistenzleistungen gefragt, die zum einen der wachsenden und veränderten Bedeutung älterer Menschen Rechnung tragen und zum anderen älteren Menschen einen Verbleib in der eigenen Häuslichkeit ermöglichen“ (S. 72).

„Seniorengenossenschaften“ ist ein Herausgeberwerk. In sachlich-verständlichem Stil gibt das Fachbuch dabei unterschiedlichen Sichtweisen von Aktiven der Selbstvertretung, professionellen Organisationen, der Wohlfahrtspflege und Wissenschaft Raum. Gerade beim Thema Genossenschaften, die eine Verbindungsstelle zwischen professionellen Trägern und Bürger*innen als aktiven Gestalter*innen sein sollen, wäre ein noch stärkeres Herausarbeiten der Innensicht der beteiligten Senior*innen als bürgerschaftlich Engagierte und als Nutzer*innen der Angebote von Seniorengenossenschaften wünschenswert. Denn: „Selbsthilfe leistet seit Jahrzehnten selbstbestimmt und bedürfnisgerecht gegenseitige Unterstützung. Sie tut gut daran, sich auch weiterhin auf ihre ureigensten Werte zu besinnen (…)“ (S. 162).

Weitere Bücher zum Thema

Das Buch „Seniorengenossenschaften“ ist thematisch breit aufgestellt. Wer dagegen sehr detaillierte Informationen zu Recht, Steuern und Betriebwirtschaft sucht, wird zum Beispiel im „Beck’schen Handbuch der Genossenschaft“ aus dem Verlag C. H. Beck oder in „Die Genossenschaft – mit der Europäischen Genossenschaft Recht, Steuer, Betriebswirtschaft“ aus dem Erich Schmidt Verlag fündig. Möglichkeiten und Risiken von Seniorengenossenschaften stehen sowohl im vorgestellten Buch als auch in „Seniorengenossenschaften“ von Ulrich Otto aus dem Verlag C. H. Beck zur Diskussion. Diese unterscheiden sich vor allem darin, dass das Herausgeberwerk verschiedene Perspektiven und Praxis-Beispiele in den Mittelpunkt rückt, während Ulrich Otto als Einzelautor auch darauf eingeht, wie soziale Arbeit mit und für Senior*innen sich zukünftig entwickeln kann.

Empfehlung

Das Buch „Seniorengenossenschaften“ richtet sich an Fachleute, die neue Möglichkeiten für das Leben im Alter entwickeln wollen. Auch interessierte bürgerschaftlich Engagierte können aus diesem Buch Impulse mitnehmen für ihre sozialpolitische und konzeptionelle Arbeit. „Seniorengenossenschaften“ ist als Fachbuch nützlich, um sich einen systematischen Überblick zu verschaffen und unterschiedliche Blickwinkel auf diese Form eines sozialen Dienstes kennenzulernen. Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine Seniorengenossenschaft zu gründen, braucht über dieses Buch hinaus aber weitere, praxisbezogene Informationen dazu.

Angaben zum Buch und Leseprobe

Beyer, Thomas; Görtler, Edmund & Rosenkranz, Doris (Hrsg.) (2015): Seniorengenossenschaften. Organisierte Solidarität. Weinheim und Basel: Verlag BELTZ Juventa. ISBN 978-3-7799-2993-2.

Mehr Informationen des Beltz-Verlages über dieses Buch sowie eine Leseprobe finden Sie hier.

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